Turnverein Eintracht Greven 1898 e.V

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Triathlon-Wettkampf unter Coronabedingungen

Simon auf der zweiten LaufrundeFrank Simon belegte beim Berlin-Triathlon am Wochenende über die olympische Distanz mit 2:31:32 h Platz 8 (von 28) seiner Altersklasse und Platz 120 (von 388) insgesamt. Ist denn die Teilnahme an einem Triathlon-Wettkampf unter Coronabedingungen überhaupt möglich? Wie muss man sich das vorstellen?

Nach einer Saison, die von abgesagten Wettkämpfen geprägt war, tauchte vor drei Wochen in der abteilungseigenen WhatsApp Gruppe plötzlich die Nachricht auf, dass der Berlin-Triathlon die Genehmigung zur Durchführung erhalten habe und auch noch freie Startplätze zur Verfügung stünden. Dem ungläubigen Staunen folgte der Check auf der Homepage und siehe da: von der Sprint- bis zur Mitteldistanz als Einzel- oder Staffelwettkampf war alles buchbar. Schwimmen in der Spree, Radfahren auf einem abgesperrten 6,3 Kilomter Rundkurs und Laufen im Wald wurden versprochen und dazu ein schlüssiges Hygienekonzept, das auf Abstand und Eigenverantwortung baute.

Selten hatte sich Frank so schnell für einen Wettkampf angemeldet, war aber bis zur Abholung seiner Startunterlagen am vergangenen Samstag skeptisch, ob die Veranstaltung nicht doch noch abgesagt würde. Mit knapp 3.000 Teilnehmern in Einzel- und Staffelrennen über 1 ½ Tage sollte sie nach Angaben des Veranstalters das größte Triathlon-Event des Jahres in Deutschland sein.

Organisiert von zwei örtlichen Vereinen ging es schon am Samstagnachmittag beim Start für die Mitteldistanz familiär, aber dennoch professionell zur Sache. Abholung der Unterlagen, Startvorbereitung, Einrichtung der Wechselzone, Einstieg zum Massenstart ins Wasser: alles mit Abstand und wohl organisiert. Eng wurde es nur auf den ersten Metern der Schwimmstrecke, da alle auf dem 750 m Rundkurs um die Insel der Jugend in der Spree möglichst nicht zu weit außen schwimmen wollten. Das ist aber auch unter Coronabedingungen nicht schlimm, da Triathleten fast ausnahmslos Kraul schwimmen, Unterwasser ausatmen und somit die Verbreitung von Viren ausgeschlossen ist. Auch beim Radfahren und Laufen ist das Abstandhalten kein Problem.

Mit diesen Bildern im Kopf kam Frank am Sonntag schon früh zum Check-in, bei dem das Rad und der Helm auf Sicherheit geprüft werden. Der Schreck über die lange Schlange verflüchtigte sich jedoch schnell als die von den Sportlern eingehaltenen Abstände sichtbar wurden. So dauerte es nicht lange, bis der eigene Bereich in der lang gestreckten Wechselzone eingerichtet werden konnte. Die Gespräche ringsum handelten fast alle vom gleichen Thema: Trainingseinheiten mit Motivationsschwierigkeiten angesichts fehlender Wettkämpfe und die Tatsache, dass es für alle der erste richtige Wettkampf des Jahres sei.
Obwohl es mehr Teilnehmer als bei der Mitteldistanz am Vortag waren, verlief der Schwimmeinstieg in das mit 19 Grad gegenüber der Luft um 3 Grad wärmere Wasser geordnet, wenn auch nicht so schnell, wie von den Veranstaltern geplant. Bis zu 10 Minuten Wassertreten an der Startlinie waren angesagt, bis das Startsignal ertönte. Damit verschwand der bis dahin überwiegend zwischen den Sportlern eingehaltene Abstand schlagartig. Willkommen in der Waschmaschine! Jeder versuchte die beste Linie auf die erste Boje zu erwischen: strampelnde Füße vor dem Gesicht, Arme, die vom Nachbarn auf den Körper treffen oder vom Hintermann zwischen den Beinen hängen, dazu eine Sichtweite von nur wenigen Zentimetern im trüben Spreewasser. Gut, dass der Neoprenanzug die Treffer dämpft und niemand absichtlich oder mit böser Absicht schlägt oder klammert. Bedingt durch den Rundkurs um die Insel dauerte es eine Weile bis sich das Teilnehmerfeld so weit auseinandergezogen hatte, dass jeder seinen Platz und seinen Rhythmus finden konnte. Dann gab es aber auch Momente, wo man trotz der Konzentration auf das Wettkampftempo den strahlenden Sonnenschein, die Schiffe auf der Spree und das Bild der umrundeten grünen Insel aufnehmen und genießen konnte.

Nach zwei Runden mit insgesamt gut 1500 m um die Insel folgte ein langer Lauf in die Wechselzone und ein (gefühlt) noch längerer, bei dem man das Fahrrad bis zum Beginn der Radstrecke schieben musste. Anders als sonst und normalerweise nur bei Profirennen üblich, war für das Radfahren die Windschattenfreigabe erteilt, was bedeutete, dass man dicht hinter dem Vordermann in dessen Windschatten fahren durfte. Sportlich ging es auch hierbei zu. Hatten sich mal Grüppchen gefunden, musste niemand über lange Zeit die Führungsarbeit leisten und „im Wind fahren". Man wechselte sich ab oder versuchte die nächste, vielleicht noch etwas schneller Gruppe zu erreichen, wo das „Spiel" von vorne begann. Durch die schnellen Wechsel, die relativ hohe Geschwindigkeit und die Dynamik in den Gruppen dürfte auch hier eine Ansteckungsgefahr ausgeschlossen gewesen sein.

Nach 38 aufregenden und mit hoher Konzentration gefahrenen Kilometern ging es dann beim 10 km Lauf eher „gemütlich" zu. Das Feld hatte sich weit auseinandergezogen, so dass jeder viel Platz auf der Strecke hatte. Entlang der Spree und durch den Wald war der Kurs mit zwei Runden abwechslungsreich und bei den inzwischen angenehmen Temperaturen gut zu laufen. Wer dann noch konnte, konnte ungehindert „Gas geben".

Wegen der von den Veranstaltern ausgeladenen Zuschauern war die Stimmung im Zieleinlauf gegenüber anderen Rennen vergleichbarer Größenordnung sehr verhalten, was aber durch die Ansagen des Moderatorenteams der Veranstaltung etwas ausgeglichen werden konnte. Auch der sofort anschließende Verpflegungsstand war im Einbahn-System aufgebaut, was das Einhalten der Abstandsregeln leicht möglich machte. Insgesamt eine gelungene Veranstaltung, die Hoffnung auf viele verantwortungsbewusste Nachahmer im nächsten Jahr gibt.