Da sind sich Fernando Mester und Dieter Hokamp einig: „Idealismus und Enthusiasmus.“ Das sind die beiden wichtigsten Eigenschaften, die ein Schiedsrichter mit sich bringen muss. Und das Duo Mester/Hokamp muss es wissen. Denn die beiden Basketballer sind seit Anfang November stolze Besitzer einer C-Lizenz fürs Pfeifen. Mester, der zuletzt aktiv in der Herrenmannschaft auf Punktejagd ging, entwickelte irgendwann im Jugendbereich ein Interesse fürs Pfeifen. Dabei war gerade der Schiedsrichter für ihn früher immer der Dumme. Und Hokamp, der seine aktive Sportlerkarriere vor einigen Jahren zugunsten der Gesundheit an den Nagel hing, wollte mal wieder etwas Neues machen. „Das ist meine Persönlichkeit“, grinst der 46-Jährige.
Nachdem er vor über 20 Jahren schon einmal dem Basketball den Rücken kehrte, kam er vor einigen Jahre als Trainer zurück zum TVE Greven, mittlerweile geht er als Schiedsrichterwart Abteilungsleiterin Mathilde Frönd zur Hand. Erst vergangenen Herbst haben beide ihre D-Lizenz im Kreis Münster erworben, ziemlich genau ein Jahr später stehen beide mit einer C-Lizenz in der Hand da. Damit sind sie nun berechtigt, Spiele in höheren Klassen zu pfeifen. Und das war auch von Anfang an das Ziel. „In höheren Ligen ist Basketball einfach schöner, athletischer und fairer“, stellt Hokamp fest. Auch Mester sieht das so. Aus diesem Grund haben sich die beiden Basketballer „gegenseitig gepusht“, erklärt Mester, dass er - auch in Vorbereitung auf das Prüfungsspiel - viel zusammen mit Hokamp gepfiffen hat. „Wir sind ein gutes Team“, findet Mester. Auch dies ist einer der Punkte, die sowohl Mester als auch Hokamp so sehr am Schiedsrichtern begeistern.
Während des Spiel in Bruchteilen von Sekunden eine Entscheidung zu fällen und diese auch noch zu vertreten, selbst wenn man im Nachhinein bemerkt, dass es eine falsche Entscheidung war: Das ist eines der Dinge, die Fernando Mester so fasziniert. „Konsequenz“, sagt er, sei dabei am wichtigsten. „Schlecht pfeifen, okay. Aber dann bitte konsequent über das ganze Spiel“, sagt er im Scherz und lacht. Ein schöner Nebeneffekt für Dieter Hokamp ist, dass er beim Pfeifen vielen unterschiedlichen Leute begegnet und von ihnen viel lernen kann, auch wenn manche Schiedsrichter, die im Lizenzrang über ihm stehen, deutlich jünger sind. Dafür freut er sich auch, wenn er mit unerfahrenen Schiedsrichtern zusammen eine Partie leitet und von ihnen um Rat gefragt wird. „Man hat ganz klar Vorbildfunktion“, sagt Hokamp.
Und schließlich fällt beiden noch eines ein. Beim Spielen früher war immer der Schiri der „Doofe“, der bei jedem auch noch so nichtigen Anlass von den Spielern angemacht wurde. Vielfach wurden die Entscheidungen der Schiedsrichtrer mit markanten Sprüchen kommentiert. Jetzt nicht mehr. Den Spruch „Besser selber machen“ haben Mester und Hokamp wörtlich genommen - und fühlen sich offensichtlich pudelwohl damit.
Mittwoch, 21. Januar 2009 | Quelle: Westfälische Nachrichten | Winfried Kitzmann